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Schulchronik

Geschichte der Volksschule St. Andrä

Schon Ende des 19. Jahrhunderts platzte die Volksschule für den Schulbezirk durch starke Zuwanderung in den rechtsseitigen Stadtteil aus allen Nähten. Damals war die Schule zweiklassig und im Virgilanum in der Dreifaltigkeitsgasse 12 (Priesterseminar) untergebracht.

1889 beschloss man im Gemeinderat den Neubau der Knaben- und Mädchenvolksschule und Knabenbürgerschule am heutigen Standort. Nach vierjähriger Bauzeit fand am 11. September 1893 die feierliche Schlusssteinlegung statt.
Am 16. September um 9 Uhr vormittags durften die SchülerInnen mit ihren LehrerInnen nach dem Heiligengeistamte "unter klingendem Spiel und mit flatternden Fahnen bei herrlichstem Wetter feierlich singend" in ihr neues Heim einziehen.
Der Bezirksschulinspektor ermahnte die Schüler in seiner Rede zu Fleiß, Eifer, Ausdauer und sittlichem Wohlverhalten, die Lehrkräfte zur Geduld und Liebe zur Jugend, und forderte die Eltern auf, mit der Schule stets Hand in Hand zu gehen.

Was seither alles passiert ist:

1901

Kaiser Franz Josef besichtigt das Schulhaus

Im Zeichen- und Physiksaal wird das elektrische Licht eingeleitet (in den übrigen Räumen ist Gaslicht).

1914

Das Schulhaus wird in ein Rot-Kreuz-Spital umgewandelt. Die Schulkinder übersiedeln in das Handelsschulgebäude in der Paris Lodronstraße. Die Direktionskanzlei wird zur Schlafstelle für drei Ordensschwestern, später sogar eine Schusterwerkstätte.

1915

Schüler der ganzen Monarchie führen eine Altmetallsammlung zur Erzeugung von Geschützen und Geschossen durch.

1919

Die Schule kann wieder in ihr Gebäude einziehen.

1920

Über Veranlassung der amerikanischen Kinderhilfsorganisation werden Kleider und Schuhe verteilt und 83 Schüler nach ärztlicher Untersuchung für Ausspeisungsaktionen ausgewählt.

1923

Ein Schulbad wird eingerichtet, damit alle Schüler einmal monatlich ein warmes Duschbad nehmen können.

1926

Elektrische Beleuchtung wird in allen Räumen installiert.

1934

Alle Lehrpersonen müssen sich der Vaterländischen Front als ordentliche Mitglieder anschließen und das Abzeichen in und außer Dienst tragen.

1935/36

Eine vormilitärische Erziehung über amtlichen Auftrag wird eingeführt.

1939

Die Hauptschule Plainstraße wird von der Wehrmacht beschlagnahmt und die Schüler beider Schulen werden im Wechselunterricht an der Hauptschule Haydnstraße unterrichtet.

1942

Direktor Josef Reischenböck wird am 14.03. von der Schule weg verhaftet. An die Schulleitung ergeht keine offizielle Mitteilung über den Grund. Die Schüler werden zu seiner Person befragt. Am 7. Mai 1943 wird er wegen "Hörens von Feindsendern" enthauptet.

Alle Türklinken und Fenstergriffe fallen der Buntmetallsammlung zum Opfer.

Vom 15.02. bis 8.03. sind Kälteferien. Die vierzehnjährigen Schüler werden zum Schneeschaufeln in den Straßen der Stadt unter Aufsicht der Lehrer eingesetzt.

1943/44

61 Unterrichtsstunden gehen durch Fliegeralarme verloren.

Bei Alarm mussten die Schüler in den Luftschutzstollen Glockengasse im Kapuzinerberg gehen. Drei bis fünf Buben mussten jeweils in einem Kellerraum der Schule mit einem Lehrer über Nacht Brandwache halten.

1944

Eine Bombe schlägt am 11.11. im Schulhof ein und beschädigt die Turnsaalwand und die Stiegenhausfront der Haydnstraße schwer.

Am 17.11. schlagen drei Bomben in die Grundmauern des Haydnstraßentraktes ein. Erdgeschoß, erster und zweiter Stock stürzen in die Tiefe.

1945

Bei den letzten schweren Luftangriffen auf Salzburg im April wird das Andräviertel so schwer beschädigt, dass in diesem Schuljahr kein Unterricht mehr gehalten wird.

Das Schulhaus befindet sich in einem trostlosen Zustand. Ab Sommer hausen dort unter hygienisch katastrophalen Bedingungen ehemalige Kriegsgefangene verschiedener Nationen.

In den Räumen werden einfachste Kochgelegenheiten improvisiert, deren Rauchabzugsrohre durch die Fensteröffnungen hinausragen. Als Brennmaterial dienen Schulbänke, Tische, Sessel, Anschauungsbilder, Bücher und Amtsschriften.

Die Rattenplage nimmt überhand. Im nichtzerstörten Teil des Schulhauses wird daneben unterrichtet.

1950

Aufhebung des Heiratsverbots für Lehrerinnen.

1948/49

Der Schulbetrieb wird in allen Räumen wieder aufgenommen.

1979

Ab jetzt wird die Schule koedukativ geführt und nennt sich nun "Öffentliche Volksschule für Knaben und Mädchen St. Andrä".